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KAWAI-Hamburg: Die Freude, ein Versprechen endlich einzulösen.

Titelbild: Alle Rechte: https://www.paulinaholbreich.de/

Immer wieder nahm ich mir vor, an einem der vielen interessanten Projekten von Sopranistin Stella Motina und Pianistin Vera Bogdanchikova als Besucherin teilzunehmen. Nachdem ich die Premiere dieses Programms zur gleichnamigen CD Dreams of my soul im Kleinen Saal der Elbphilharmonie auch verpasst habe, genoss ich den gestrigen Abend (10.2.) umso mehr, allein schon wegen der sehr anheimelnden, intimen Atmosphäre im Flagship-Store von KAWAI am Schulweg. Geschäftsleiter Dennis Emmel und seinem Team gelang es eine wahrhafte „Wohnzimmerkonzert-Stimmung“ zu schaffen, durch sympathische Ansagen, Plätze für ca, 50 Leute, nicht nur auf vorbereiteten Stühlen, sondern auch unkonventionell auf der Treppe zu den offenen Büroräumen. Die beiden Vollblutmusikerinnen, die eine aus der Ukraine (Motina), die andere gebürtig in Moskau, verzauberten durch ihre Kunst ebenso, wie durch die nicht zu übersehende Tatsache, dass sie auf jeder Ebene ein Team sind, dass sich mag, und sich gegenseitig kennt und versteht.

Konzert 17.12.2023
Elbphilharmonie, Kleiner Saal
Alle Fotorechte: Xingru Liu

Mir, die ich ja Veranstaltungen an kleinen Bühnen oder ungewöhnlichen Orten, sehr zu schätzen weiß, da sie mehr Nähe und damit einen ganz anderen Zugang zu den Vorstellungen und Künstler*innen erlauben, gefiel dieses Ambiente so gut, dass es mich neugierig machte auf andere Veranstaltungen in diesen Räumlichkeiten. Natürlich gerne auch wieder mit dem Duo Motina/ Bogdanchikova, denn der gestrige Abend ließ das Publikum mühelos teilhaben an der Liebe zur Musik.

Das Programm beinhaltete nicht nur die acht Lieder der CD, auf die ich an derer Stelle noch näher eingehen werde, doch auch so wunderbare Lieder wie Franz Schuberts „Die Forelle“ als Opener gefolgt von „Gretchen am Spinnrade“. Immer wieder habe ich überlegt, ob ich die klitzekleine Verständigungsschwierigkeit zwischen Pianistin und Sängerin beim Gretchen-Lied erwähne. Ich habe mich dafür entschieden, aber nicht um einen Makel aufzuzeigen, sondern im Gegenteil den beiden Künstlerinnen Respekt zu zollen, denn dies zeigt doch, dass diese beiden in ihrer Kunst aufgehen und sie nicht einfach „stereotyp abspulen“. (Nachtrag: und sich auch von eifrigen Berufsfotografen nur dieses eine Mal und kurz aus Konzentration und Ruhe bringen ließen). Mag es Ihnen vielleicht auch merkwürdig erscheinen, bleibe ich dabei: Gerade solche kleinen Momente machen den Rest eines ansonst so wunderschönen Abends umso wertvoller..

V. Bogdanchikova, D. Emmel. S. Motina
Alle Fotorechte: Cetin Yaman

Denn ansonsten verständigen und verstehen sich die beiden Musikerinnen durch kleine Gesten und Blicke. Bogdanchikova gab Motina Zeit sich nach besonders ergreifenden Lieder zu sammeln, so im zweiten Teil bei den, in russischer Sprache vorgetragener & Liedern aus der Feder von Sergej Rachmaninov. Bei denen bewies Motina noch mehr als zuvor ihre Fähigkeit, von eher fröhlich zu tragisch und umgekehrt wechseln zu können und ihren wunderbar klaren Sopran dementsprechend zu modulieren. Ihre Stimme klingt nicht nur in allen Tonlagen sicher und gut geführt, sondern Motina und ihrer umsichtigen Begleiterin vermitteln auch mühelos die Stimmungen der einzelnen Werke. Versteht man bei den deutschen Liedern fast jedes Wort, so hilft die lebendige, wunderbar Mimik- und Gestenreiche Darbietung beider Damen, auch die Aussage der russischen gut nachzuempfinden.

Der Höhepunkt dieser kurzweiligen, klangschönen Veranstaltung waren zweifellos die beiden Richard Strauss Lieder „Morgen“ und „Zueignung“, die den ersten Teil beendeten und die mich, ich gebe es einfach ganz unprofessionell zu, zu Tränen rührten. Dank Stella Motinas Interpretation ebenso, wie aufgrund der wunderschönen Ein- und Ausleitung des Liedes „Morgen“ von Vera Bogdanchikova, die auch in ihren Solostücken viel Empathie und Hingabe zeigte.

Alle Fotorechte: Steffen Schulz

Der offizielle Teil des Abends wurde temperamentvoll fröhlich mit „Romasero“ “ von Mikail Ipolltov- Ivanov und „La Tarantula von Jeronimo Gimenez beendet. Beim ersteren begleitete sich Stella Motina sogar tanzend mit Kastagnetten. Und waren die ersten beiden Zugaben, Astor Piazollas „ Oblivion”und erneut Strauss’ „Morgen„, so entließen Vera Bogdanchikova und Stella Motina ihr Publikum mit „Somewhere over the Rainbow“ hoffnungsvoll und leicht beschwingt, in den Samstagabend.

Fazit: Es war meine erste Veranstaltung bei KAWAI und mit dem Duo Bogdanchikova/Motina. Aber zum letzten Mal habe ich weder die Räume KAWAI Hamburg, noch die beiden Künstlerinnen auf keinen Fall gesehen.

Birgit Kleinfeld (Vorstellung 10.2.2024)

Links:
https://www.stella-motina.com/de/
https://www.instagram.com/bogdanchikova.vera/
https://www.kawai-hamburg.de/ueber-uns/

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